
«Innenraumklima - Qualitätsmerkmal fürs Arbeiten und Wohnen»
Werner Adler spricht über die Bedeutung einer gesunden Luftfeuchte als wichtigen Aspekt der Innenraumluftqualität und in Bezug auf die ESG-Ratings, die einen wachsenden Einfluss auf die Bau- und Immobilienbranche haben.
Der Herbst ist da: Wie sollte das ideale Raumklima jetzt sein?
Das ideale Innenraumklima sollte das ganze Jahr eine Temperatur zwischen 20 °C und 23 °C (Schlafzimmer können gerne auch 18°C sein), eine Luftfeuchte zwischen 40% bis max. 60% r.F. (relative Feuchte) und einen CO2 –Gehalt unter 800 ppm aufweisen.

Wie beeinflussen die wechselnden Jahreszeiten eigentlich das Klima in Innenräumen?
Temperatur und Luftfeuchte sind miteinander verbundene Werte. Kalte Luft kann weniger Wasser aufnehmen als warme Luft.
Welche Bedeutung hat die Luftfeuchtigkeit am Arbeitsplatz oder zu Hause auf das Wohlbefinden der Leute?
Eine grosse Bedeutung, speziell während der Heizperiode. Ohne eine aktive Luftbefeuchtung, wird der Körper, durch die konstante Verdunstung durch die Haut, zum Luftbefeuchter. Dies bedeutet auch «Stress» für den menschlichen Körper, welcher in Dauerkonkurrenz mit den umliegenden, hygroskopischen Materialien steht.

Merke ich, ob es am Arbeitsplatz zu trocken oder zu feucht ist?
Nein, nicht unmittelbar, aber nach einer gewissen Zeit schon. Austrocknung der Schleimhäute, brennende Augen oder zu trockene Haut führen zu Erkältungen, Husten, Grippe. Ein Aspekt, der oft vergessen geht und den ich hier erwähnen muss: Auch das Parkett, Holzmöbel (Antiquariat), Bilder, Kunstgegenstände, Musikinstrumente usw. werden durch eine zu trockene Raumluft beeinträchtigt.
Luftbefeuchter werden oft in den Zusammenhang mit Schimmelbildung gesetzt. Ist die Sorge berechtigt?
Luftbefeuchter haben nicht direkt mit der Schimmelbildung zu tun. Der Feuchtegehalt unmittelbar über der Wandoberfläche ist ein entscheidendes Kriterium. Eine ungenügende Aussenwandisolation und eine daraus resultierende Taupunktunterschreitung an den Innenwänden führen zu so genannten «nassen Wänden» und diese werden dann zur Nahrungsgrundlage für Schimmel.

Moderne Wohnbauten sind auf möglichst tiefen Energieverbrauch ausgelegt. Welchen Einfluss hat dies auf das Raumklima?
Nun, den Energieverbrauch als einziges Kriterium für moderne Wohnbauten zu verwenden wäre falsch und die zwei Pandemiejahre 2020/2021 haben uns dies auch gut vor Augen geführt! Wohnbauten dienen hauptsächlich zum Schutz der Bewohner. Wohnbauten sind für den Menschen gemacht und nicht zum «Selbstzweck».
Mit der sich entwickelnden ESG-Norm respektive dem ESG-Rating (ESG = Enviroment, Social, Governance) versucht man, eine bessere, ganzheitliche Bewertung einzuführen, welche auch zu einem höheren Immobilienwert (im Sinne von Nachhaltigkeit, Werterhalt und Wertsteigerung) verhilft. Die Gebäudetechnik hat dabei einen starken Einfluss auf die ESG-Kriterien:
Environment (Umwelt): Hier zielt man auf die Senkung des Energie- und Wasserverbrauchs. Erreicht wird dies durch nutzungsoptimierten Betrieb dank Einsatz energieeffizienter Technologien und Systemen zur Reduzierung des Energie- und Wasserverbrauchs.
Social (Soziales): Im Zentrum stehen die Gesundheit und das Wohlbefinden. Prioritär geht es um die Sicherstellung eines gesunden Innenraumklimas.
Governance (Kontrolle): Gemeint damit sind Gesetzeskonformität und Transparenz. Konkret geht es um die Einhaltung des Arbeitsgesetzes, der Energiegesetze sowie der Normen und Standards bzw. Labels.
Zugespitzt gefragt: Sind Niedrigenergiehäuser schlecht für die Gesundheit?
Wenn diese Häuser ausschliesslich nur auf Minimierung des Energieverbrauch ausgelegt sind, dann Ja.

Wird aus Ihrer Sicht der Bedeutung der Raumluftqualität in Innenräumen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt?
Ja, denn schauen Sie, bei Nahrungsmittel und Getränken, muss auf den Verpackungen sichtbar sein, was darin enthalten ist. Der Konsument kann nachschauen und entscheiden, ob er dies essen oder trinken will. Bei der Atemluft, speziell in geschlossenen Innenräumen, ist dies heute nicht der Fall. Dabei ist die Menge an Luft (15000 Liter/Tag oder 15 kg/Tag), welche wir täglich zu uns nehmen, um ein Vielfaches grösser als die Nahrungs- und Flüssigkeitszuführung pro Tag.
Während der Corona-Pandemie wurden Luftfiltersysteme plötzlich populär. Was ist davon zu halten?
Luftfiltersysteme sind eine der Massnahmen von mehreren Massnahmen, welche zu einem gesünderen Innenraumklima führen. Lüftung, Temperatur, Luftfeuchte, Licht, Materialien und Einrichtungen sind weitere wichtige Parameter, welche berücksichtigt werden müssen. Bei Bestandsbauten fängt man am besten mit einem professionellen Monitoring der Innenräume an, dann weiss man, woran man ist!

Neubauten, Bestandesimmobilien, Eigentums- oder Mietwohnungen: Wie kann das Raumklima bei unterschiedlichen Voraussetzungen optimiert werden?
Bei Neubauten müssen die Standards und Normen so weiterentwickelt werden, dass wir nicht nur zu einem energieoptimierten, sondern auch zu einem gesunden, modernen Gebäude gelangen.
Bei den Bestandesimmobilien fängt es - wie bereits erwähnt - mit einem gründlichen Monitoring an. Danach legt man die Massnahmen situativ so fest, dass diese die grössten Verbesserungen erzielen.
"Da wir bei uns alle Innenraumluft-Parameter messen und grafisch anzeigen, wissen alle Condair-Mitarbeitenden, was sie am Arbeitsplatz einatmen!"
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