Autor: Werner Adler

Leiter Marketing & Kommunikation

Condair fordert eine höhere Mindestraumluftfeuchte

Die im März 2022 erschienene Bewertungsnorm «DIN EN 76 798-1 Eingangsparameter für das Innenraumklima» ist die wichtigste technische Regel zur Projektierung eines gewünschten Raumklimas. Sie enthält auch Empfehlungen zu Mindestwerten der Raumluftfeuchte, die besonders im Winter erforderlich sind, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Personen zu erhalten und zu fördern. Diese Vorgaben können nur durch den Einsatz von Systemen zur geregelten Luftbefeuchtung eingehalten werden.

Als Nachfolgerin der DIN EN 15 251 zählt DIN EN 16 798-1 zu den wichtigsten technischen Regeln in der Lüftungs- und Klimatechnik. Der normative Teil sowie die vielen Tabellen im genannten Anhang enthalten alle Parameter zur Projektierung und Sicherstellung «eines gewünschten Raumklimas in Räumen, die als Aufenthaltszone für Wohn oder Arbeitszwecke genutzt werden (Büros, Sitzungsräume, Versammlungsstätten, Restaurants, Wohnräume etc.)». Die Festlegungen betreffen Vorgaben zum thermischen Raumklima (Raumtemperatur, Raumluftfeuchte), zur Raumluftqualität (Mindest-Aussenluttvolumenströme, CO,-Grenzwerte in der Raumluft) sowie zur Beleuchtung und Raumakustik. Dazu wurden in der Norm neue Kategorien der Raumqualität IEQ (Indoor Environment Quality) mit den Klassen I (hoch), II (Standard) und III (moderat) eingeführt.
Das bedeutet: Bauherr, Fachplaner und Architekt können sich für ihr Projekt bezüglich des gewünschten Raumklimas stets für eine Raumqualität IEQ I bis IEQ III entscheiden. Aus dieser Festlegung folgen dann zum Beispiel für die Standardqualität IEQ II einzuhaltende Raumtemperaturen von mindestens 20 Grad (Winter) bis maximal 26 Grad (Sommer) und Aussenluftvolumenströme von etwa 50 m 3 /(h • Pers) bzw. eine maximale CO,-Konzentration von etwa 1000 ppm in der Raumluft.

HEUTIGE SCHWEIZER NORMEN VERNACHLÄSSIGEN MINDESTFEUCHTE

Dass eine Raumluftfeuchte von mindestens 40 Prozent die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Menschen schützt und fördert, wurde mittlerweile in vielen weltweit durchgeführten medizinischen Untersuchungen und Studien nachgewiesen

(Quellen: E. Kudo et al, Low ambient humidity impairs barrier function and innate resistance against influenza infection, PNAS May 28, 2019. Miyu Moriyama, Walter J. Hugentobler, Akiko Iwasaki: Seasonality of Respiratory Viral Infections, Annual Review of Virology (2020).

Allerdings werden diese Erkenntnisse bisher in technischen Regeln sträflich vernachlässigt oder gar negiert. Nahezu gleichlautend behandeln Normen und Richtlinien einen möglichen Raumschwüle-Zustand im Sommer und fordern dazu eine klare Obergrenze von maximal 65 Prozent relativer Raumluftfeuchte bzw. eine absolute Feuchte von maximal 12 g/ kg. Demgegenüber findet man bisher in technischen Regeln bezüglich der Mindestraumluftfeuchte lediglich relativierende Aussagen, wie etwa «Bei Gebäuden, die keinen anderen Anforderungen als denen der menschlichen Nutzung unterliegen (z.B. Büros, Schulen und Wohngebäude), ist eine Be- oder Entfeuchtung gewöhnlich nicht erforderlich ... » oder «eine Be- und Entfeuchtung ist üblicherweise nur in besonderen Gebäuden, wie z. B. in Museen und einigen Gesundheitseinrichtungen, erforderlich».
Zwar wird meist ergänzend erläutert, dass «bei Werten unter 30 Prozent relativer Raumluftfeuchte gesundheitliche Beeinträchtigungen (z. B. trockene Schleimhäute) und störende, statische Aufladungen auftreten können», aber normative Konsequenzen aus diesen bekannten Mängeln wurden bisher nicht gezogen. Nur die derzeit in Überarbeitung befindliche deutsche Richtlinie VDI 3804 «Raumlufttechnik - Bürogebäude» enthält eine deutlichere Empfehlung: «Es wird empfohlen, als Untergrenze die Kategorie 1 der DIN EN 15 251 (neu: DIN EN 16 798-1) mit 30 Prozent r. F. anzustreben. Hierzu ist in der Regel eine Befeuchtungseinrichtung erforderlich. Feuchten <30 Prozent r. F. können zu Reizungen der Augen und der Luftwege führen und damit Infektionskrankheiten begünstigen. Ferner können Probleme mit erhöhter statischer Aufladung entstehen. Bei tiefen Aussentemperaturen ist eine Unterschreitung einer Raumluftfeuchte von 30 Prozent zu erwarten.»

DAS NEUE BEHAGLICHKEITSDIAGRAMM

Das in der Klimatechnik seit vielen Jahren etablierte Diagramm mit Vorgaben zu behaglichen und gesunden Raumluftfeuchten spiegelt die Forderungen nach einer Mindestraumluftfeuchte von etwa 35 bis 40 Prozent in Abhängigkeit von der Raumtemperatur im Feld «behaglich» durchaus wider. Doch diese Werte finden in der Normung und auch in der täglichen Praxis der Lüftungs- und Klimatechnik bislang noch zu wenig Beachtung und sollten konsequenter umgesetzt werden. Einen positiven Schritt in diese Richtung geht die von vielen Unternehmen unterstützte Kampagne «Mindestfeuchte 40 Prozent» des deutschen Fachverbands Gebäude/Klima (FGK, www.mindestfeuchte40.de) mit vielen weiteren Informationen. In Anlehnung an diese Kampagne wurde vom Verfasser das bisherige Behaglichkeitsdiagramm im Hinblick auf die Mindestfeuchte 40 Prozent leicht modifiziert

(siehe Grafik links: Das blaue Feld zeigt einen Vorschlag für neue Grenzwerte im Behaglichkeitsdiagramm. Die Raumtemperatur reicht nun von 19 bis 26 °C (DIN EN 16 798-1), die Raumluftfeuchte von 40 % (Minimum im Winter) bis 65 % (Maximum im Sommer).

KRITISCHE WERTE DER RAUMLUFTFEUCHTE VON 20 BIS 40 PROZENT

Leider enthalten auch die Neufassung von DIN EN 16 798-1 weiterhin die Aussage, dass «bei Gebäuden, die keinen anderen Anforderungen als denen der menschlichen Nutzung unterliegen ... , eine Be- oder Entfeuchtung gewöhnlich nicht erforderlich ist». Als Ausnahmen werden zum Beispiel Museen, Gesundheitseinrichtungen und die Papierindustrie genannt. Für den Einsatz und zur Auslegung von Be- oder Entfeuchtungseinrichtungen werden in unserem nördlichen Nachbarland Deutschland die in der Tabelle angegebenen Auslegungswerte empfohlen. Hierbei wurde im Vergleich zu den Standardkriterien ein wichtiger Schritt vollzogen und die Werte für die Mindestfeuchten wurden spürbar nach oben korrigiert (siehe Grafik rechts). Der Zusatz im Titel der Tabelle, «wenn Be- oder Entfeuchtungsanlagen eingebaut sind», spiegelt wider, dass ohne deren Einsatz diese wichtigen Mindestparameter in den Kategorien IEQ I und IEQ II nicht eingehalten werden können. Grundsätzlich sind alle Parameter der IEQ, und dazu gehört auch die Raumluftfeuchtigkeit, im Rahmen des Planungsprozesses festzulegen und zu dokumentieren. Eine entsprechende Diskussion und Aufklärung der Kunden und Nutzer ist also erforderlich. Wie wichtig die Luftbefeuchtung ist, erläutert ein einfaches Beispiel. Es wird angenommen, dass an einem Wintertag die Aussenluft eine Temperatur von - 5 Grad und eine relative Feuchte von 80 Prozent hat (absolute Feuchte etwa 2 g/kg). Diese Aussenluft wird in einem Monoblock auf die gewünschte Zulufttemperatur erwärmt. Dabei bleibt die absolute Feuchte konstant, aber die relative Feuchte der Zuluft sinkt, je nach Einblastemperatur der Zuluft, bis unter 10 Prozent r. F.
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